Pfingststernfahrt 2009

der Folkeboote nach Altnau

(mit Bankräubern, Bierschmugglern und Schluchtengängern unterwegs)
Von Stefan Ganter

Samstag, 30.05.09: Altnau – Yvonne lädt zum Grillieren ein

Krachend fällt ursa minor in’s nächste Wellental. Die Gischt schäumt über’s Vorschiff, das Kajütdach, dann in’s Cockpit. Gradnoch kann ich mein Fernglas retten, mit dem ich, in Lee kauernd, Hinweise auf die neue Altnauer Hafen­einfahrt suche. Es weht eine kräftige Bise, das heißt Wind aus NO mit ca.7 Bft. So hat sich von Lindau bis Altnau ein „ostseeiger“ Seegang aufgebaut – ein Vergleich von Ostseekennern. Wir finden die wellenverwühlte Einfahrt und finden, dass das Folke uns wieder mal einen herrlichen Segeltag beschert. An dessen Ende nur noch mit der Fock bekleidet, saust und hopst ursa minor sicher in den Hafen. Das war Segeln vom Feinsten mit viel OhNassiss. Alle Ankommendinnen und Ankommenden berichten von rekordverdächtigen Segel­zeiten – Ein Dank der Bise und ein Dank Yvonne Begrè, die uns zum grillen hier her lockten. Anschließend die Besichtigung des neuen Hafens: Hafenmeister Ueli und die Stege sind noch die alten geblieben. Neu: zwei Duschen und ein Waschbecken, früher war’s umgekehrt, wie Vieles, ein ganz neues „Marina-feeling“, aber diese Geschichte kann ein andermal erzählt werden…

Anschließend Plausch, Begegnungen mit alten und neuen Freunden. Wo grillen wir? Yvonne hat eine superschöne Uferwiese mit Grillplätzle an der „Baddi“ ausfindig gemacht, Säntis- und Seeblick inbegriffen. Nur: die Bise kühlt aus NO mit 6. Und: Sitzplätze fehlen. Einer, der hier nicht genannt werden darf und offiziell nichts weiß, gibt uns den entscheidenden Tip: Das Kiosk am neuen Hafengebäude, das hat Dank Bise und Uhrzeit schon zu. Dort stehen Bierbänke/Tische, nagelneu. Oh, let’s make a bankrobbery – bitte nicht nachahmen! Aber wir sitzen gut, das Fest kann beginnen. Heinz grilliert wieder perfekt, wie immer fröhlich. So sollte er den Titel „master of folkebruzzlers“ erhalten. Mehrere hatten die Idee, ein Bierfass zu spendieren (die Flottenkasse, Roland D. und den dritten Spender weiß ich nicht). Dank Allen, vor allem Yvonne und Heinz wird es ein toller, viel zu kurzer Abend – nun trotz Bise – aber wer mit Bise segelt, kann auch gegen Bise grillieren! Die Strafe für den Bankraub vereiteln wir durch mitternächtliche Rückgabe – keiner merkt was, oder?

Am Sonntagvormittag eine Überraschung: Ina und Roland Begré laden Interessierte zu einer Werfbesichtigung. Dort ist noch echter Holz-Bootsbau zu bewundern, der Bau eines der wunderschönen und guten Begré-Folkeboote ist nahezu beendet – traurigerweise leider, weil es voraussichtlich Roland Begrés letztes sein wird. Eine ganz besondere Geschichte, die ein andermal erzählt werden muss…

Vielen, vielen Dank an Yvonne und Heinz für den gelungenen Aufenthalt in Altnau!

Sonntag, 31.05.09, Wallhausen: der Bodanrück lockt Schluchtengänger

„Ick jeb Ihn’n mal de Liejeplatznummern durch“ schallt es am Sonntag morgen durch mein Handy, „Also, da weer de vieanfuffzig (Nr. 54), Steg 1, ooch Steg 1 Nr…“ Ralf Kaufmann, unser neuer berliner Hafenmeister in Wallhausen strahlt, obwohl erst seit Kurzem im Amt , schon Beigeisterung aus für Folkes und mein Ansinnen, diese nach Wallhausen zu locken – obwohl die Folkedichte hier gefühlte 1/379 beträgt. Von Altnau bei nun nur noch mäßiger Bise (3-4,5 Bft, NO) ist segeln wuchtig-schnell-schön, nicht mehr so hart wie gestern – NixNass. Und alle – fasst alle (sorry Andy, sorry Michy) – können auf Anhieb die avisierten Liegeplätze erobern. Tochter Ella (8 Jahre) macht hochkonzentriert die Einweisung inkl. schriftlicher Tabellenbuchführung „wer war wann wo“ (s. u).
Den Apero mit Salzgebäck, gereicht/gesponsert von Barbara, gibt’s anschließend am Molenkopf bei Sonne pur und toller Aussicht – aaahhhhh. So gestärkt können wir uns an die Erklimmung des Bodanrücks wagen, angeführt von Tochter Ella, vorbei am Teufelstisch, entlang dem unverbauten Ufer des Überlinger Sees, dann steil am Seil „nauf“ durch eine kleine, aber wilde Schlucht, oben an der Kante lang (der Steiluferabbruchkante) zum Burghof – Burg von 1661, später Forsthaus, nun seit 3 oder 4 Jahren Privatbesitz mit einzigartiger „Imbiss-Stube“/Gasthaus. Die Nichtkenner sind (glaublich) begeistert, die Andern sowieso. Wir bleiben bis es kühlt und schwach dämmert. Der Heimweg führt, der späten Stunde gerecht, über bequemere Wege hinunter zum Hafen. UND, die Bierfässer: die wurden in Altnau nicht leer. Da sind die hin und her, nüber und rüber, durch den Zoll und zurück, gesegelt und gefahren, so wär’s jetzt schade drum…

Also sammeln wir uns beim letzten „Büchsenlicht“ am Molenkopf. Wieder fehlen Sitzgelegenheiten. Dank Uferpromenaden-Bänken und erfahrener Bankräuber gereicht auch dies wieder zu einer schönen Nacht – und wieder merkt’s kaum einer. Ella schläft im Hafenwägele ein und wird erst wieder am nächsten morgen in ihrer Vorschiffskoje wieder wach – wie ist sie da wohl hingekommen? Auch diese Geschichte sollte ein andermal ein Bankräuber erzählen…

Der Abschied am nächsten Morgen fällt schwer. Die ersten Ab-Segler müssen unter kundiger Anleitung der „Molenköpfer“, im Gewirr wilder Kommentare und Hinweise ablegen. Aber Peter und Wuschel haben es mit Fassung getragen! Wir bleiben am Molenkopf zurück – Ella hat sich ein Minigolfturnier verdient! Ach wär’s doch öfters Pfingsten…

Die rege Teilnahme hat uns mächtig gefreut. Auch Ralf Kaufmann lädt herzlich ein, wiederzukommen – wie er so schnell Folkefan wurde?!

Bis Bald, Stefan, Barbara und Tochter Ella vom Folke „ursa minor“ (Sui 34)

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