„Und immer den Kiel oben !“ – ein Fahrtenbericht

Mit dem Folkeboot auf Ostseefahrt im Sommer 2019
(Bilder dazu gibt es in der Galerie)

Der letzte Törn liegt 2 Jahre zurück und es zieht uns mit dem F-GER 998 „Kleiner Blaupfeil“ vom Bodensee wieder an`s Meer. Außer dem Ausgangshafen an der Werft Nils Rammin in Barth (Boddengewässer westlich von Rügen) haben wir auf Detailplanungen bewusst verzichtet. Ziel war, zu segeln und was zu erleben, und nicht irgendwo notfalls mit dem Außenborder anzukommen.

Es geht schon sehr gemütlich los, denn der fast 25 Jahre alte T4 mit seinen 350.000 km Laufleistung schafft unter Last keine 80 mehr – aber erst am Rückweg löst sich das Rätsel.

Unser Törn geht über Hiddensee um Rügen herum durch das Stettiner Haff, von Swinemünde nach Bornholm, über die Erbseninseln an die Schwedische Südküste und über Mön und Darser Ort zurück nach Hiddensee und in die Boddengewässer. In den 5 Wochen Segelzeit haben wir 550 sm im Kielwasser gelassen – davon nur 14 Flaute-sm und 2 Hafenmanöver mit dem 3,5 PS-Außenborder. Zeitenweise waren wir als bewährtes Team mit der Crew vom „Wassermann“, eine Comfortina 32 unserer Freunde Norbert und Josefine (am Bodensee mit der F- GER 635) unterwegs. Nur gut, dass der nett gemeinte Reisewunsch einer mit dem Segeln nicht vertrauten Freundin „und immer den Kiel oben“ beim Folkeboot gegen die Physik ist.

Nachfolgend wieder einzelne Auszüge aus dem Logbuch:

Fr 28. Juni     Barth – Kloster
Mit Sonnenschein und leicht achterlichem Wind mit 3 – 4 Bft geht es durch die zum Teil engen Tonnenwege der Boddengewässer. Am Geller Haken setzen wir den Stecken und werden sofort auf unseren blau-weiß geringelten Fock-Ausbaumer angesprochen: „Seid ihr aus Bayern“ ruft uns der Ornithologe mit dem Spitzgatter zu und zeigt uns einen Fischadler, der im seichten Wasser steht. Noch vor der Einmündung des Fahrwassers aus Strahlsund nach Hiddensee  machen wir ein Schiff mit rotem Streifen und weißem Wuschelkopf an der Pinne aus – ein besseres Timing für das Zusammentreffen mit der Wassermann-Crew gibt es nicht. Die sind einen Tag an der kaputten Strahlsunder Brücke versackt. Dann geht es waschbord am Wind die Tonnen Richtung Norden entlang durch den Schaproder Bodden. Trickreich wird es an der Abzweigung Jasmunder Bodden, weil da die Tonnenrichtung wechselt. 2011 sind wir da mal mit viel Wind und Lage über die Sandbank gerumpelt – das Boot ist nicht hängengeblieben, aber die Erinnerung. Den Kolk im flachen Bodden direkt vor Kloster nutzen wir, um den Quirl zu starten und die Segel zu bergen. Die Rinne in den Hafen geht genau gegenan und zu eng zum Kreuzen. Dann gibt es einen gebührenden Empfang mit Räuchermakrele, Kinoa-Salat und kühlem Bier auf dem „Wassermann“.

So 30. Juni    Kloster – Sassnitz
Nach einem ausgiebigen Wandertag auf der autofreien Trauminsel Hiddensee segeln wir aus den Boddengewässern an der Ansteuerungstonne „Hiddensee“ vorbei – huch, die ist in unserer alten Karte gar nicht drin – in die offene Ostsee. Trotz der ausgeleierten Tourensegel  läuft das Folke entlang der Nordküste Rügens mit Landwind Rumpfgeschwindigkeit. Ab der Kreideküste Jasmund müssen wir aufkreuzen und dabei aufpassen, dass uns die Ausflugs-Touristen-Schiffe nicht übermangeln. Je näher wir an den Hafen Sassnitz kommen, desto mehr frischt der Wind auf – ist ja logisch! Vollzeug heizen wir vor dem Wind rein, bergen die Fock hinter dem Groß, machen im zweiten Hafenbecken einen Aufschießer,  runter mit dem Groß auf den Reitbalken und dann vor Topp und Takel wieder Schwung holen für die Fahrt querab in die Dalbengasse – und fest. Erst mal gibt es ein Anlegebier, dann Baden im Hafenbecken und danach eine Stegdusche – hurrah! Die 35° Hitze wäre ohne die 6 bis 7 Bft Wind unerträglich – und das hier oben im Norden.

Mo 1. Juli und Di 2. Juli      Wanderung  im Weltkulturerbe „Jasmunder Bodden“
Oben auf der Kliffkante der Kreideküste gibt es aus dem traumhaften Buchenwald grandiose Ausblicke auf die vorspringenden „Klinken“. Unendlich Baumpilze auf totem und lebendem Holz. Bei nach wie vor 8 Bft. Legen wir noch einen zweiten Wandertag, diesmal am Fuße der Kreide im Flinstein-Kies und sammeln eine Handvoll Kleinstversteinerungen wie Donnenkeile, Korallenfragmente, Kugelschwämme…Abends gibt es selbstgebratenen Schwarzen Heilbutt und Zander mit Kartoffel und Salat.

Mi 3. Juli        Sassnitz – Krummin
Bei angesagten 6 – 7 Bft setzen wir lieber unser bewährtes Sturmgroß und heizen zunächst noch mit dem Wind über das Prorer Wiek. Ab dem Nordpferd geht’s mit halbem Wind und dann in den Tonnenweg Richtung Peenestrom. Dichter die Schoten und schon schleift die Scheuerleiste unter Wasser – trotz kleinem Groß. Die Wartezeit vor der Brückenöffnung in Wollgast verbringen wir am Steg des örtlichen Vereins und bewundern die vielen selbstgeschweißten Ost-Träume , z.B. „Sputnik“. Mann soll sich ¼ Stunde vor der Öffnung zeigen und so zirkeln wir zickzack zwischen den unter Motor wartenden Yachten durch und gewinnen das „Rennen“ zum Krumminer Wiek. Dank dem geringen Tiefgang können wir unseren Aufschießer ganz am Schilf an die Holz-Dalben machen. Super Steganlage, tolles Essen und nette Hafenleute in der für uns unbekannten Welt.

Mo 8. Juli       Swinemünde – Nexö (Bornholm)
Schon vor dem Wecker um kurz nach 4 Uhr bin ich wach und wir machen Frühstück. Um 5 Uhr Auslaufen unter Segel – die Sonne ist längst hinter den Wolken aufgegangen, also ohne Beleuchtung trotz Dämmerlicht. Nahezu ohne Schiffsverkehr geht es vorbei an dem Windmühlen-Seezeichen von Swinemünde und der langen Einfahrtsmole – ups, eine riesige neue Mole mit einem neuen Hafen trage ich später in der Seekarte nach. Dann gehe ich erst mal für 2 Stunden in die Leekoje, weil der Tag heute sehr lang wird und wir uns ja abwechseln können. Vor lauter Schaukelei wird es dann später aber schwierig, wieder rauszukrabbeln und ich werden das flaue Gefühl in der Magengegend nicht mehr los – nein es steigert sich trotz Therapie an der Pinne und führt unweigerlich zu meinem allerersten Opfer an Neptun vom eigenen Folkeboot aus – was soll das jetzt ? Isolde kauert auf der Luv-Backskiste und harrt geduldig der Wellen und des Meeres. Kein Land mehr in Sicht. Noch können wir umdrehen – aber Bornholm ist zu verlockend! Statt den vorhergesagten 8 – 10 m/s sind es dann 10 – 14 m/s (7 Bft) und es baut sich über fast 100 sm offenes Meer eine üble Dünung auf, die dank dem Starkwind auch noch bricht und das Segeln zu einer nassen Angelegenheit macht. Wir fahren gezielt die Berge hoch und runter, um die größten Duschen zu verhindern. Isolde kniet in der Plicht und pumpt fleißig, wenn es schiefgegangen ist – und dann wird auch Sie vom Neptun zum Opfern genötigt. Die Tortour wird immer übler und ich rühre mich nicht von der Pinne, um nicht vollends zum Pflegefall zu werden. Dann plötzlich der lange ersehnte Moment: Land in Sicht . Es dauert aber noch mehrere Stunden, bis die Abdeckung wirksam wird und die Wellenberge schrumpfen. Die lange Moleneinfahrt von Nexö bleibt gerade noch am Wind segelbar und es gelingt ein tolles Hafenmanöver: Die Fock noch in der Rinne weg, das Sturmgroß in der Einfahrt zum inneren Becken runter und mit Restschwung an die holzbewährte Pier – geschafft! Erst mal mit Brotzeit und Bier den Magen beruhigen. Rekord-Etmal von ca. 78 sm in 12,5 Stunden ergibt eine permanente Fahrt mit Rumpfgeschwindigkeit von ca. 6 kn. Jetzt scheint die Sonne und alles trocknet.

Di 9. Juli        Nexö – Swaneke
Nach 10 Stunden Schlaf sind wir erholt und legen nach dem Einkauf ab. Unter Top und Takel treiben wir aus dem alten Hafen in den Fischerhafen, ziehen beim Kringeln die Segel hoch und ernten Applaus von den Hafenliegern. Draußen spaßiges Segeln mit ablandigem Wind entlang der Küste – trotz Sturmgroß waschbord mit Rumpfgeschwindigkeit. Die Überaschung dann am N-O-Eck von Swaneke – hier kommt die volle Dünung aus N-W ums Eck – nein, das geben wir uns nicht und drehen ab in Richtung Swanecke. Es klappt wieder alles unter Segel und wir gehen im hinteren Hafenbecken längsseits zum Wassermann ins Päckle. Schon nach 6 sm flanieren wir wieder mit Eis an der Hafenpromenade.

Do 11. Juli     Swaneke – Frederiksö (Erbseninseln)
Nach dem Bordfrühstück legen wir kurz nach 8 Uhr ab und zirkeln mit halben Wind durch die Hafenbecken und um die Außenmole. Zum ersten mal nach der Fahrt nach Sassnitz segeln wir wieder unter Vollzeug – ideale Bedingungen bei 3 Bft. und Sonnenschein. Hart am Wind verschaffen wir uns ein klein wenig Überhöhe für den Versatz zum Naturhafen zwischen Christiansö und Frederiksö. Die sogenannten Erbseninseln sind schon von weitem erkennbar und etliche Segler verlassen den Hafen – das sieht gut aus für uns. Nachdem die Tücher unten sind und wir mit dem Restschwung und dem guten Schnapphaken die Heckboje eingefangen haben, werden wir von den Nachbarliegern aus Finnland und Schweden zur Pier geleitet – direkt vor Ruth`s Heringsladen. Endlich Zeit zum Loggbuchschreiben auf der Mole mit tollem Blick über das Hafengeschehen. Die Inseln sind genauso schön, wie 2011, wo wir das letzte mal hier waren. Um 16 Uhr legt das letzte Ausflugsschiff ab und alles wird beschaulicher. Direkt vor dem Boot rücken wir noch eine Tisch-Bank-Kombination in die Abendsonne und genießen ein dunkles Swaneke mit Linsen-Zweitopf, Gemüse und Salat. Später finden wir eine Leiter an den Felsen, die zu einer von der Sonne aufgeheizten Weinstelle am Meer führt. Wir genießen das Leben – nur die Sturmmöve kotzt für ihr Junges.

Di 16. Juli      Hasle – Kaseberga (Schweden)
Die Crew vom Wassermann ist bereits auf dem Heimweg und wir sind wieder auf uns alleine gestellt – ohne „Mutterschiff“. Am Abend vor dem Übersetzen nach haben wir lange diskutiert, weil die Wettervorhersage nicht toll war: Morgens alter Schwell und 3 Bft aus Nord, nachlassend, am Abend auffrischend auf 6 Bft. Das bedeutet, entweder wir bleiben mit Sturmgroß mittags im Restschwell stecken oder wir schöppfen früh morgens mit Vollzeug Wasser und müssen vor den Böen am Abend an der Schwedischen Küste sein. Nachdem es aber die ganze Nacht gepfiffen hat, wechseln wir morgens um 5 Uhr auf Sturmgroß, kreuzen aus den Hafenbecken und testen die Bedingungen draußen. Da Schwell und Wind erträglich, segeln wir wieder rein und wechseln an einem Molenkopf auf Vollzeug – dann zum 2. mal  raus und – klimper – der Sicherungsring am Bolzen vom Holepunkt der Fock fliegt mitsamt der Umlenkrolle raus. Also wieder rein, alle Teile zusammensammeln, einbauen und zum 3. mal rauskreuzen. Doch da hat Wind und Welle so zugelegt, dass wir Muffe haben und doch lieber wieder umdrehen zum Wechsel auf Sturmsegel. Als wir um 6 Uhr zum 4. mal rauskreuzen ist alles ok – nur dass wir in unseren Klamotten völlig überhitzt sind.

Rechtzeitig zum Queren des Verkehrstrennungsgebietes Travemünde – Liepkaja schwächelt der Wind und die Frachter kommen wie auf einer Perlenschnur. Bei der Welle ist der Außenborder keine Option und mit wird bange. Wir machen stetig Peilungen und mogeln uns irgendwie durch beide Fahrtrichtungen durch. Bald frischt es wieder auf, die Schwedischen Küste kommt in Sicht und der Schwell läßt nach – alles richtig gemacht. Von weitem sieht man schon die Gleitschirmflieger an der der Abbruchkante auf- und absegeln. Die schmale Hafeneinfahrt ist optimal versetzt zum Reinkreuzen. Wie gehen längsseits an einen Arbeitsponton, klaren auf und verholen uns mit Paddel und Pinne an die geschütze Pier. Trotzdem es mir heute flau im Magen war, schmeckt bei Sonnenschein das Anlegebier hervorragend. Kaseberga ist ein superschöner Hafen, aber aus dem Kiosk und der Räucherei aus dem Hafenhandbuch ist eine Touri-Rummelmeile geworden. Ursächlich dafür ist die größte Wickinger-Steinsetzung „Ales Stenar“ mit 59 Hinkelsteinen direkt oben an der Klippenkante. Später genießen wir von dort oben den grandiosen Ausblick mit Sonnenuntergang und Rotwein. Den Beginn der Mondfinsternis bekommen wir noch mit, aber der Kernschatten um Mitternacht muß ohne uns auskommen. Dafür bin ich nächsten Morgen zum Sonnenaufgang um 4:45 Uhr schon auf der Klippe bei den Hinkelsteinen und niemand steht mir im Bild.

Fr 19. Juli – Mo 22. Juli      Klintholm
Hier verbringen wir insgesamt 2 Wandertage mit Unterbrechung durch einen Segeltrip nach Harbölle mit Hafen-Fahrrad-ausflug zu mehreren Hünengräbern. Die Kreideklippen hier sind mit 128 m höher und imposanter als auf Rügen. Wir laufen viele Km durch den vom Meer rundgewaschenen Flintkies, Die Steine klirren wie Glas und wir finden zahlreiche Bruchstücke von Donnenkeilen und sogar ein kleinen Bernstein. Dann ist der Weg durch einen Kreide-Felsrutsch von 2007 versperrt und wir meistern die Klettertour über die Schuttnase bis zur nächsten Treppe auf die Klippe. Der Rückweg durch den alten Buchenwald auf der Klippenkante bietet zahllose grandiose Ausblicke auf das Meer und die Kreidefelsen

Di 23. Juli      Klintholm – Darser Ort (Nothafen)
Wir kreuzen aus dem verwinkelten Hafen und können mit einem Schrick in den Schoten vollzeug bei idealen Bedingungen mit Rumpfgeschwindigkeit gen Süden segeln. Hier an der Ostsee gilt das Folke eh als schnelles Boot. Die Klippen von Mön werden schnell kleiner und verschwinden bald ganz im Dunst – wir sind wieder auf dem Meer ! Am Nachmittag kommt der Dars in Sicht und wir segeln einen Bogen um die Bernsteininsel zur Ost-Tonne, bis wir in den Tonnenweg zum „Nothafen Darser Ort“, eher ein Schilfteich, aufkreuzen können. Die Einfahrtsrinne versandet ständig, ist 2018 ausgebaggert und 2019 schon wieder nachgebessert worden. Die eigentliche Rinne ist fast 50 m breit, aber die Wanderdünen legen ständig Sandzungen in den Weg. Hier muß man als Segler auf Sicht bis an die Sandkegel ranfahren und den vorhandenen Platz gut für die Wenden ausnützen. Welch ein Erfolgserlebnis, dann am Seenotrettungskreuzer vorbei in den Rotaugen- und Kormoran-Teich reinzusegeln und am Holzsteg vor dem Schilf festzumachen. Eine Motorbratze und ein Segler liegen da schon – 3 kommen noch. Eigentlich ist das nur ein Nothafen im Nationalpark und wir brauchen einen Grund, bis morgen früh um 9 Uhr dableiben zu dürfen – hier im Paradies: Baden am sonnigen Ostsee-Sandstrand (20 ° Wassertemperatur), Kochen und Essen am Steg, Begegnung mit Frischlingen auf dem Weg zum Leuchtturm am Weststrand (die Bache hat uns nicht gefressen), Sonnenuntergang an unserer Weinstelle ins Meer. Die vielen Fledermäuse können allerdings nicht verhindern, dass uns die Mücken fast auffressen. Da hilft nur noch das Anti-Brumm aus Österreich.

Mi 24.Juli       Darser Ort – Ankerplatz westlich Hiddensee
Noch ist die Sonne erträglich, aber es steht ein heißer Tag bevor. Im Hafenmeister-Container neben der SAR–Station sitzen zwei mega entspannte Nationalpark-Ranger und ihre als Hafenmeisterin fungierende Kollegin, die zum Lachen vermutlich in den Keller geht. Für das eigentlich verbotene Übernachten gibt es eine geregelte Gebühr von 9 Euro. Isolde trägt in das Anmelde-Formular als Notfallgrund fast wahrheitsgemäß „Seekrankheit“ ein und alle sind zufrieden. Das ganze ist ein Kuhhandel, um einerseits den Ansturm abzublocken, andererseits die regelmäßig notwendige Ausbaggerung der Rinne zum Nothafen zu rechtfertigen. Da profitiert auch der Rettungskreuzer von der gelegentlich wichtigen Nutzung anderer. Anstatt um 9 Uhr vorschriftsmäßig auszulaufen (wir begründen das mit Windmangel – und unser Quirl ist in der Achterpik versteckt) gehen wir baden, auf den Leuchtturm Darser Ort mit einem tollen Ausblick und einer sehr aufwendigen und vielseitigen Ostsee-Ausstellung. Im Leuchtturmcaffee ist der Mattjes mit Bratkartoffel, Schwarzbier und danach die halbgefrorene Schwedische Mandeltorte besonders zu empfehlen. Auf dem Heimweg beobachten wir noch 2 Hirschkühe im Schilf von einer Aussichtsplattform aus.

Dann laufen wir natürlich standesgemäß unter Segel aus, kringeln nochmal vor der Rinne wegen Gegenverkehr und kreuzen zwischen den Sandbuhnen im dunklen Wasser raus – die hellen Stellen sind nur knietief. Am Wind geht`s geht’s entlang der überlaufenen Badestrände von Prerow und Zingst nach Westen. Wir können schauen, lesen und Loggbuch schreiben, weil unser 3. Matrose (festgelaschte Pinne) klaglos seinen Dienst tut. Der Wind lässt nach und wir müssen aufkreuzen, um die Untiefen der Aufsandung „Bock“ zu umschiffen. Jetzt fangen wir das Rechnen an und kommen zum Schluß, dass ein Hafenmanöver bei Dunkelheit vor dem Wind aus der Tonnengasse in den engen Ziel-Hafen Barhöft kein guter Plan ist und wir wollen lieber in Lee von Hiddensee ankern. Hinter dem Küstenabbruch mit Buhnen liegen im Schutz vom Wald südlich des Leuchtturms Gellen schon ein Dutzend Jachten vor Anker. Wir bergen die Fock, suchen eine Lücke, Aufschießer, Anker fallen lassen, zurücktreiben und Groß bergen. Vermutlich sind wir hier die einzigen, die hier im Nationalpark (Zone III) vorschriftsmäßig ihren Motor steckenlassen. Noch einmal die Leine bei 2 m Wassertiefe einreißen, eine Landpeilung nehmen und unser letztes Bier schmeckt im letzten Abendrot hervorragend. Der 9 kg Bügelanker (mit 3 Kg Kette) hält bei der stabilen Ostwind-Lage wie einbetoniert. Das übliche Folkeboot-Plätschern begleitet uns in den Schlaf.

Nach einem zweiten Besuch auf Hiddensee – weil`s so schön war –  segeln wir noch mehrere Tage in die Boddengewässer bis Althagen im Saaler Bodden, bleiben öfters im Schlamm außerhalb des Fahrwassers stecken und kranen wieder an der Werft von Niels Rammin. Der Service ist hier super und die Preise absolut fair – als Ausgangspunkt sehr empfehlenswert!

Wir packen alles nötige um und fahren auf die Autobahn. Dann merke ich, dass der T4 noch etwas zulegt, wenn ich mit Gewalt auf das Gaspedal trete – ziehe dann die kurz vor dem Urlaub neu gefundene Fußmatte unter dem Pedal hervor und bin beglückt über den Leistungszuwachs – da war also der Hund begraben! Kurz vor Berlin schlupfen wir im Gewitterregen in unser „Amphibienwohnmobil“ (Originalkommentar eines Passanten) , bevor es am nächsten Morgen weiter Richtung Heimat geht. Am Abend baden wir schon wieder im Bodensee von dem ich gleich mal ein Schluck Süßwasser trinke. Nächsten Tag wird eingekrant und dann kommt auch bald wieder der TÜV und untersucht das Boot, ob es auch seetüchtig ist (kein Witz !)  – da könnte das Folke viel erzählen…..

Bernd Miller
F  GER  998  Kleiner Blaupfeil

 

Achtung ! – meine Tastatur hat nicht die Zeichen, die in skandinavischen Ortsnamen alle gebraucht werden (im Text und in den Bildunterschriften):
Nexö  Mön  Frederiksö : statt dem ö gehört durch das o ein Schrägstrichüber Kaseberga : auf dem a gehört ein °