Eindrücke von der Wanderung
Herbstwanderung 2026
Am Sonntag, den 25.10. traf sich ein Teil der Folkeboot Flotte Bodensee zur diesjährigen Herbstwanderung. Das Wetter war bedauerlicher Weise nicht besonders einladend, was zu einigen Last-minute Absagen führte. Letztendlich waren wir dann aber doch erfreuliche 17 Teilnehmer, die sich am Mittag vor den Vereinsräumen des Konstanzer Yachtclubs trafen.
Dieses Jahr ging es zur Abwechslung nicht durch Feld und Flur, sondern wir tauchten in die abwechslungsreiche Geschichte der Stadt Konstanz ein. Als Tourguide fungierte Trutbert Beyerle, langjähriges Mitglied der Flotte und Konstanzer Urgestein.
Gleich zu Beginn wurden wir in die Geschichte der Villa Prym eingeweiht, in der die Clubräume des KYC beheimatet sind. Weiter ging es entlang der Seestrasse, vorbei am traditionsreichen Hotel RIVA und dem nun mit dem Buff Medical Resort bebauten Büdingen Areal, auf dem schon in den 1870er Jahren der Konstanzer Hof erbaut worden war, der später als Sanatorium genutzt wurde.
Gleich daneben schließt sich die das Gesicht der Stadt prägende Jugendstil Bebauung an, die bis zur Rheinbrücke reicht.
Dort, bei Rheinkilometer null, beginnt die Zählung des Rheins und wir erfuhren, dass der damalige technische Bürgermeister von Konstanz (ab 1919) Fritz Arnold nicht nur für die Fährverbindung vom Konstanzer Stadtteil Staad nach Meersburg verantwortlich war, sondern auch für die Entstehung der Buslinie 1, von der Innenstadt nach Staad, um auch Nichtautomobilisten den einfachen Zugang zur Fährverbindung zu ermöglichen. Die Verbindung ist bis heute für die Stadt nicht nur lukrativ, sondern auch eine bedeutende Infrastrukturmaßnahme. Übrigens hatte Meersburg damals kein Interesse sich an der Fährverbindung zu beteiligten, verkaufte aber das für den Fähranleger benötigte Land an die Stadt Konstanz.
Weiter ging es zum ehemaligen Dominikanerkloster, dem heutigen Inselhotel. Es diente nach der Auflösung als Textilfabrik der Familie Macaire, bevor es in den Besitz der Familie Zeppelin überging und ab 1875 zum Hotel umgestaltet wurde. Heute gehört es der staatlichen Badischen Rothaus Brauerei.
Gleich gegenüber liegt das Konstanzer Theater – das am längsten durchgehend bespielte Theater Deutschlands (ab 1607). Es gehörte zum angrenzenden Jesuitenkloster als Gymnasium. Der Theaterbetrieb diente dazu dem „einfachen Volk“ die Religion durch Schauspiel näher zu bringen.
Am Münster (unserer Lieben Frau) und dem an den Münsterplatz angrenzenden St. Johann erführen wir, dass Konstanz durch Konrad I nach dem Vorbild Roms mit den weiteren Kirchen St. Paul, St. Petri, und Laurentiuskirche (nicht mehr existent) strukturiert wurde.
Mittlerweile waren die tapferen Teilnehmer doch etwas durchgefroren und nassgeregnet. Ein Glück, dass Unser Obmann Norbert einen Tisch im nahe gelegenen Restaurant Wessenberg reserviert hatte. Dort konnten wir uns bei Kaffee und Kuchen wieder aufwärmen und bei abwechslungsreichen Gesprächen für den zweiten Teil der Führung stärken.
Der Regen lockte uns nicht unbedingt wieder vor die Tür, aber geschichtsträchtig, wie Konstanz nun einmal ist, warteten noch jede Menge spannende Orte auf uns, die es unter fachlicher Führung zu erkunden galt.
Am Jan-Hus-Haus, in dem der Böhmische Reformator gewohnt haben soll, nachdem er zum Konstanzer Konzil gereist war, erfuhren wir, dass ihm zwar freies Geleit zugesichert worden war, um seine Thesen zu vertreten, dies Versprechen aber nicht eingehalten wurde. Er wurde 1415 vor den Toren von Konstanz verbrannt. Ketzer wurden damals verbrannt, damit sie am Tag des jüngsten Gerichts nicht mehr auferstehen können.
Seinem Wegbegleiter Hieronymus von Prag, der zur Verteidigung von Hus nach Konstanz gekommen war erging es nicht anders. Er wurde 1416 am selben Ort wie Hus verbrannt.
Als letzten Ort unserer Führung besuchten wir das Konzilgebäude. Während des Konzils (1414 – 1418) fanden die Sitzungen zwar im Bischofsdom (heutiges Münster u. l. F.) statt, das Konklave, bei dem Martin V zum Papst gewählt – und damit das Schisma beendet wurde – fand aber im eigens dazu hergerichteten Lagerhaus am Hafen statt.
In eben diesem Befindet sich im Anbau, dem sogenannten „Patronentäschle“ die Konzilgaststätte, in der wir bei ausgezeichnetem Essen und weiteren angeregten Gesprächen den Wandertag abschließen konnten.
Ganz herzlichen Dank an Norbert Hermann für die Organisation und seinen unermüdlichen Einsatz für unsere Flotte und an Trutbert Beyerle für die äußerst fachkundige und abwechslungsreiche Führung durch die verwobene und nicht immer einfache Stadtgeschichte, die er wunderbar zu strukturieren weiß.
Lieben Dank aus Konstanz
Jens



