Unser Revier

Tourensegeln im Dreiländereck

Um 8000–5500 v.Chr. entstand aus einem Rheingletscher, der eine Vertiefung nach der Mittelsteinzeit hinterlassen hat, der Bodensee. Erste Besiedelungen sind aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit (bis 800 v.Chr.) nachgewiesen. In sogenannten Pfahlbauten siedelten Jäger und Sammler ufernah. Heute ist das sehr eindrucksvoll zu bestaunen im Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen. Im Jahre 43 vor Chr. erwähnen die Römer den Bodensee erstmals als Lacus Brigantinus (Bregenz), dem See, durch den der Rhein fließt, mit den weiteren Städten Constantia (Konstanz) und Arbor Felix (Arbon). Die Römer erbauten die ersten Straßen um 200 – 300 n.Chr. und verbanden diese Städte. Damit ermöglichten Sie den Handel rund um den See und natürlich auch zwischen Deutschland und Italien.

Mit 536km² ist er der drittgrößte Binnensee in Mitteleuropa nach dem Plattensee und dem Genfer See. Er liegt 395 Meter über Null, hat eine Länge von 63,3km und eine max. Breite von rund 14km. Am Bodensee kann man bei gutem Wetter auch sehr eindrucksvoll die Erdkrümmung sehen. Bei einer Entfernung von 46km zwischen Bregenz und Konstanz gibt es eine Krümmung von 41 Metern. Das Münster ist gesamt 78 Meter hoch und damit sieht man aus Bregenz nur noch den oberen Teil des Gebäudes mit der Dachspitze. Doch nun genug der Einleitung, schließlich geht es ja ums Segeln.

Zum Segeln und speziell zum Tourensegeln ist das Revier ideal. Rund um den See gibt es befestigte Hafenanlagen mit entsprechender Infrastruktur, in manchen Buchten darf man auch ankern. Hier gilt es jedoch, den Himmel sehr genau zu beobachten, denn die Wetter kommen schnell am See. Laut Wikipedia liegt die durchschnittliche Windstärke bei 2–3Bft., doch ein Föhnsturm aus dem Alpenraum mit warmen Fallwinden bis zu orkanartigen Stärken oder Gewitterstürme aus Westen machen den See zu einem doch anspruchsvollen Revier. Im Jahre 2006 wurden bei so einem Sturm Wellenhöhen von bis zu 3,5 Meter gemessen. Diese Wellen sind natürlich viel kürzer als auf der Ostsee.

Die Hauptwindrichtung ist aus Westen, im oberen Seeteil zwischen Lindau und max. Friedrichshafen kann man bei Föhn auch diesen Südwind mit all seiner Kraft abbekommen. Je nach Wetterlage haben wir manchmal auch Nord– bzw. Nordostwind, die sogenannte Bise, dann hat man am deutschen Ufer ablandigen Wind und kaum Welle.

In diesem Bericht ist der See in seine bekannten Regionen aufgeteilt, so gibt es den Obersee, einer der beiden Finger gegen Westen hört auf den Namen Überlinger See, der südlich davon liegende Finger ist dann der Untersee. Wir haben ein österreichisches Ufer, ein Schweizer Ufer und das deutsche Ufer, überwiegend am Nordufer gelegen.

Obersee, österreichisches Ufer

Am östlichen Ende des Sees beginnt Österreich mit der Gemeinde Lochau, eher unspektakulär, bevor man Bregenz sieht. Hier gibt es insgesamt drei Häfen, einer sehr nahe an der Stadt gelegen und damit ideal zum Einkaufen. Weiter herum in der Bucht kommt dann der große Hafen des Bregenzer Segelclubs, einer großen Marina mit voller Infrastruktur, bevor weiter im Uhrzeigersinn dann der Yachthafen am Supersbach, die Heimat des YachtClub Bregenz kommt. Von Bregenz aus gibt es die Möglichkeit, mit der Gondelbahn oder natürlich zu Fuß auf den Pfänder zu gelangen  (Höhe 1.064m). Hier hat man einen herrlichen Blick über den ganzen See und die Österreichischen und Schweizer Berge. Das lädt natürlich zum Wandern ein, auch sehenswert die am Pfänder beheimatete Greifvogelwarte mit Freiflugvorführungen. Für die Kulturinteressierten der Hinweis, dass in Bregenz auch die Seebühne beheimatet ist, auf der die in aller Welt bekannten Bregenzer Festspiele stattfinden. In der Saison 2013 wird dort die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart aufgeführt (vom 17.07. bis 18.08.13). Ein imposantes Erlebnis, wenn die Nacht überm See hereinbricht und die Bühne mit ihrer riesigen Kulisse in die Dunkelheit eintaucht.

Weiter am Ufer entlang kommen die Orte Hard und Fussach; beides schöne und überschaubare Häfen. In Hard liegt übrigens die F–G2 (!) kleine Fee von Familie Eble. Auch zu erwähnen ist ein tolles Seefreibad, ideal für heiße Tage und um Kindern eine Auszeit vom Segeln zu gönnen. Fussach liegt weit im Land, man hat eine sehr lange Einfahrt hinter sich zu bringen und wenn der Wind günstig steht, kann man hier toll am Rheindamm entlang hinein segeln.

Vor dem Hafen befindet sich eine sehr große Wasserfläche mit geringer Wassertiefe, ideal zum Ankern und Baden. Leider ist das Ankern nachts nicht erlaubt. Fussach selbst ist insofern erwähnenswert, weil dort direkt am Hafen eine am Bodensee einzigartige Struktur aus Wasserkanälen besteht. Hier findet man Häuser direkt am Wasser, unten drin die Garage für das Motorboot oder am Haus den Steg für das Segelboot. Nicht umsonst nennt man diese Gegend auch Klein Venedig.

Immer am Ufer entlang kommen einige kleinere Häfen, die ihr auf den Karten und auch Beschreibungen in den Hafenbüchern findet, sie sind jedoch nicht herausstechend. Bevor wir Österreich verlassen, noch ein Muss für alle: Wir finden beim Seezeichen 99 die Einfahrt in den Alten Rhein – hier darf man nicht segeln und so gilt es, den Motor in Betrieb zu nehmen. Das linke Ufer flussaufwärts ist Österreich, das rechte bereits Schweiz. Man kann hier einige Kilometer flussaufwärts fahren bis am linken Ufer ein kleiner Hafen mit Namen Wetterwinkel auftaucht. Dort ist dann Schluss, denn kurz danach kommt eine Brücke. Wenn der See viel Wasser hat, fühlt man sich hier wie auf dem Amazonas. Die Bäume stehen im Wasser und man fährt direkt unter den Baumwipfeln durch. Die Eingrenzung der Weiden ist der Fluss, Bisons stehen manchmal nur wenige Meter neben der Fahrrinne. Diese gilt es unbedingt einzuhalten, direkt daneben ist es echt flach. Doch für Ostseesegler ist das ja kein Thema, oder?

Obersee, Schweizer Ufer

Ich hatte erwähnt, dass das rechte Ufer flussaufwärts bereits Schweiz ist. Wenn ihr also den Alten Rhein ansteuert und dann gleich rechts abbiegt, kommt ihr in das Hafenareal der Marina Rheinhof. Der vordere Hafenteil ist neu, wer sich aber weiter hinein traut in den hinteren Teil der Hafenanlage, findet eine Brücke über der Wasserstraße und man fühlt sich an Holland erinnert. Tagsüber genügt ein Schallzeichen und der Hafenmeister öffnet die Brücke, nachts gilt es, den Mechanismus selbst zu betätigen. Ihr findet hierzu eine Ziehkette in schwacher Beleuchtung. Weiter im Uhrzeigersinn kommt nun die tiefe Bucht von Rorschach mit  Goldach, Horn, Steinach und Arbon. Alle Häfen sind gut anzufahren und sie liegen nahe der jeweiligen Städte. Man kann sich somit gut mit Lebensmittel versorgen. Erwähnenswert ist hier, dass alle Städte nahe der Bahnlinie liegen. Das bringt zwar etwas Lärm mit sich, auf der anderen Seite habt ihr direkten Zugriff auf die Schweiz. Ein Trip nach St. Gallen, ins nahe gelegene Appenzeller Land oder sogar nach Zürich ist überhaupt kein Problem.

Ein Muss ist aber der Trip von Rorschach mit der alten Zahnradbahn nach Heiden, einem Schweizer Luftkurort und über Jahre die Heimat von Henri Dunant, dem Gründer des Roten Kreuzes. Man ist in die Vergangenheit zurückversetzt, die Wagen der Bahn sind holzbestuhlt und haben keine Fenster. Nicht nur mit Kindern ein Erlebnis. Oben angelangt wird man belohnt mit einer herrlichen Sicht über den See, auf dem Höhenrücken lassen sich kleine und mittlere Wanderungen einbauen. Auch Kombinationen aus Bahn, Wandern und Dampferfahrten sind möglich. So lässt es sich leben und wieder ist ein Tag vorbei. An Arbon vorbei kommt in etwas Entfernung die große Stadt Romanshorn. Auch hier findet ihr eine komplette Infrastruktur. Jetzt am Schweizer Ufer entlang kommt länger kein Hafen, den man anlaufen kann, vielmehr gibt es hier das ein oder andere Bojenfeld. Dann tun sich die Dörfer Güttingen und Altnau anreihen. In Güttingen ist unter der Woche eine Kiesverladung mit reichlich Lärm ab 7.00 Uhr morgens, am Wochenende aber ruhig und idyllisch.  Altnau ist erwähnenswert, weil hier die frühere Bootswerft Begré beheimatet war. Die Holzboote sind über die Grenzen hinweg bekannt, im Hafen selbst gibt es eine hohe Dichte an diesen klassischen Folkebooten. Vielleicht trefft ihr ja sogar Roland Begré beim Segeln mit seinem letzten, für sich selbst gebauten Folke. Auch schön, die hier unmittelbar am Hafen angrenzende Badewiese, sehr flach und für Kinder ideal. (Wasser im Sommer 19-24 Grad C)

Jetzt kommen wir dann schon Richtung Konstanz, vorher vorbei an Bottighofen und Kreuzlingen. In Kreuzlingen kann man dann z.B. den Masten am Takelmasten legen, um unter den Brücken in Konstanz Richtung Untersee auf dem Seerhein zu fahren. Noch eine Anmerkung zum Schweizer Ufer: Ab hier braucht ihr Schweizer Franken, mit dem Euro muss immer umgerechnet werden und die Kurse sind manchmal schlecht, die Schweiz eher kostenungünstig. Speziell Essen gehen macht schnell keinen Spaß mehr.

Untersee

Wer in seinem Urlaub nicht unter Zeitdruck steht, sollte sich dem Thema Untersee unbedingt annehmen. Die Reise auf eigenem Kiel von Konstanz bis in den Untersee ist ein Erlebnis der besonderen Art: Enge Fahrwasser, am Ufer brütende Vogelscharen, die ein oder andere Villa direkt am Ufer. Auf der Talfahrt ist das linke Ufer wieder Schweizer Staatsgebiet. In Ermatingen angekommen sollte man spätestens den Masten wieder stellen, denn jetzt kann man auf dem Untersee wieder segeln, es kommen keine Brücken mehr.

Dies geht übrigens auch schon gleich nach der zweiten Brücke noch in Konstanz, auf der rechten Seite flussabwärts findet ihr gleich neben den Brückenfundamenten einen Takelmast, doch hier fahren viele Dampfer und der Takelmast ist direkt am Rande des Fahrwassers. Die Wellen machen es nicht so einfach, den Masten ohne Blessuren wieder an seine Wirkungsstätte zurück zu bekommen.

Wenn ihr auf die Karte schaut, ist das Seegebiet am Untersee eher überschaubar. Ihr findet eine geteilte Wasserfläche mit zwei Fingern. Links geht es am Schweizer Ufer entlang, das rechte Ufer ist deutsches Gebiet. Der rechte Finger endet mit der Ortschaft Moos, gleich rechts daneben ist Radolfzell. Erwähnen möchte ich die  Möglichkeit, mit dem Dampfer bis nach Schaffhausen zu den Rheinfällen zu fahren. Wer sich mit dem Regattasegeln beschäftigt, weiß, dass 2007 in Radolfzell eine DM war und dass die Folkebootgemeinde am Untersee sehr rege ist. In Radolfzell selbst ist dann auch die Bootswerft von Martin Graf, einem aktiven Folkesegler. Sollte es Probleme geben, er steht sicher mit Rat und Tat zur Seite. Weiter am Ufer im Uhrzeigersinn kommt jetzt die Insel Reichenau, davon hat sicher schon jeder gehört. Hier wird Gemüse und Salat angebaut. Gerade im Sommer natürlich fürs Auge ein Erlebnis und eine Wanderung wert. Die eine oder andere Einkehrmöglichkeit werdet ihr auch finden. Hier gibt es dann noch den Gnadensee hinter der Reichenau, relativ flaches Wasser und ideal zum Ankern.

Wieder zurück nach Konstanz das Ganze in umgedrehter Reihenfolge: Mast legen spätestens in Ermatingen, Stellen geht dann im KonstanzerYachtClub bei der Villa Prym auf der Backbordseite gelegen. Konstanz liegt im sogenannten Konstanzer Trichter, ihr seid jetzt wieder am Obersee. Wer schon lange in der Folkeszene ist, kennt Konstanz von den DM in den Jahren 81, 86 und 91. Neben dem Konzil sollte man auf das Münster steigen. Man hat einen herrlichen Blick über die Stadt bis weit ins Land hinein. Die Altstadt mit den schmalen Häuserschluchten ist es allemal wert. Abwechslungsreich könnte auch ein Besuch im Konstanzer SeaLife sein. Laut Homepage leben dort über 3.000 Tiere in verschiedenen Aquarien.

Überlinger See

Aus dem Konstanzer Trichter heraus kommt ihr vorbei an Konstanz Staad, leicht zu erkennen an dem regen Fährverkehr zwischen Konstanz und Meersburg. Hier kommt bei wenig Wind nicht wirklich Freude auf, denn das Gewell der Fähren ist alles andere als schön. Jetzt sieht man schon die Blumeninsel Mainau, sicherlich hat jeder schon mal davon gehört.

Neben seltenen Blumen ist auch das Schmetterlingshaus ein Besuch wert. Richtig anlegen kann man hier nicht, es macht mehr Sinn, aus anderen Häfen mit dem Dampfer dorthin zu fahren.

Jetzt kommen die Orte Dingelsdorf und Wallhausen. Hier befindet sich auch der Teufelstisch, ein nicht ganz ungefährliches Tauchrevier, immer wieder wird hier einer vermisst. Ihr segelt nun entlang des Bodanrückens auf der linken Seite, einer dicht bewaldeten Landschaft bis nach Bodman, dem westlichen Ende des Bodensees. Von Bodman aus kann man toll wandern auf dem Bodanrücken, neben einer alten Ruine finden sich dort auch ein Wildgehege und die Marienschlucht. Weiter rechtsherum, als nächster der kleine Naturhafen Löchle, sehr idyllisch gelegen aber nicht leicht auszumachen von See. Wie in vielen Häfen gibt es hier auch die Möglichkeit, an einer Feuerstelle Fleisch oder Fisch zu grillen. Dann kommt Sipplingen und Überlingen. Sipplingen sei erwähnt als Startpunkt für diejenigen, die eher am unteren Teil des Sees sein wollen. Auch hier kann man ins Hinterland wandern, in der FN Ausgabe 03/12 konntet ihr bereits von den Churfürsten lesen.  Überlingen ist immer ein Anlaufen wert. Neben dem Stadthafen gibt es einen West- und einen Osthafen. Der Westhafen ist sehr traditionsbewusst, hier ist der BodenseeYachtClub Überlingen beheimatet. Er liegt sehr nahe an der Stadt. Für uns Folkesegler insofern interessant, weil man dort viele Liegeplätze mit einer maximalen Breite von 2,50 m hat. Viele andere können hier nicht anlegen, die Folkies sind gern gesehene Gäste. Jetzt Richtung Uhldingen kommt ihr vorbei am Kloster Birnau, bevor ihr am Ufer die Pfahlbausiedlung gleich neben dem Hafen von Uhldingen erspähen könnt. Die Pfahlbauten sind eine Reise in die Vergangenheit und absolut zu empfehlen für jung und alt.

Eine kleine Wanderung zurück zum Kloster Birnau inmitten von Weinbergen gelegen, könnte den Tag abrunden. Vorbei an Meersburg mit seiner traumhaften und in vielen Filmen gezeigten Kulisse und den Weinbergen im Hintergrund. Neben dem Stadthafen für die Dampfer gibt es hier 2 weitere Häfen, das sogenannte Waschplätzle und den Hafen Haltnau. Beide sind nahe der Stadt gelegen und ein Abendspaziergang in die Gassen von Meersburg sorgt für Abwechslung. Auch ein Spaziergang entlang des Sees nach Hagnau könnte einen Ruhetag ausfüllen. Hagnau mit seinem Winzerverein bietet erstklassige Weine und einige Flaschen könnten nach einer Weinprobe auch in der tiefen Bilge eines Folkebootes Platz finden.

Nach Hagnau und Schloss Kirchberg kommt dann Immenstaad, von Weitem zu erkennen an seiner weit in den See ragenden Dampferanlegestelle. Hier könnt ihr einen Trip buchen auf der Lädine, dem Nachbau eines alten Frachtenseglers auf dem See.

Obersee, deutsches Ufer

Jetzt kommt Friedrichshafen mit zwei Häfen, dem des WürttembergischenYachtClubs links in der Nähe einer Wasserfontäne und rechts der Bundesbahnhafen, in dem die Fähren in die Schweiz und die Dampfer der sogenannten Weißen Flotte anlegen. Für Ausflüge mit dem Dampfer eine sehr zentrale Stelle. Das Ganze extrem stadtnah mit Versorgungsmöglichkeiten aller Art. Das Zeppelinmuseum ist für Technikfreaks ein Muss. Wer es noch steigern will,  kann versuchen, einen Platz in der Gondel eines Luftschiffes zu bekommen, die hier von Friedrichshafen aus zu Rundflügen starten.

In Friedrichshafen gibt es auch einen Flughafen. Hier könnte auch leicht ein Crewwechsel stattfinden, wenn das Boot von zwei verschiedenen Teams genutzt werden soll. Wir vom Bodensee haben unsere Schiffe auch schon an die Ostsee getrailert und die Crew auf dem Törn gewechselt, zum Beispiel in Kopenhagen.

Jetzt sind wir mitten im Obersee, als nächstes am Ufer entlang kommt das Eriskircher Ried, ein am Ufer gelegenes Naturschutzgebiet. Vom Land aus kann man hier hinein wandern, von Seeseite ist es aber nicht zugänglich. Achtung: Hier unbedingt die weit außen liegenden Seezeichen beachten, es ist sehr flach. Schon lange seht ihr das Schloss Montfort am Ufer voraus liegen, der ehemalige Sommersitz des Grafen zu Montfort (bis 1779). Langenargen selbst hat nur einen kleinen Stadthafen, aber in unmittelbarer Nähe kommen die links und rechts des Zuflusses Argen gelegenen Sporthäfen BMK und Ultramarin. Im Hafen Ultramarin, übrigens dem größten Hafen am Bodensee mit ca. 1.500 Booten (!), findet ihr alles,  was ihr braucht: Tankstelle, Shop und  Segelmacherei, Gastronomie und alle Infrastruktur einschließlich WLAN. Hier wurde im Jahre 1999 auch eine IDM für unsere Klasse ausgetragen, vielleicht war ja der ein oder andere Leser mit dabei.  Dieses Hafenareal eignet sich übrigens sehr gut zum Start des Törns, wenn man Oberseeorientiert ist. Dazu mehr im organisatorischen Teil. Nun kommen die Orte Kressbronn, Nonnenhorn und Wasserburg, ab Nonnenhorn sind wir übrigens in Bayern.

Jetzt schließt sich der Kreis rund um den See. Bevor wieder die österreichische Gastflagge gehisst werden muss, finden wir Lindau mit seinem Bundesbahnhafen und der imposanten Hafeneinfahrt, gesäumt von dem bayrischen Löwen und dem Leuchtturm sowie dem Hafen des LindauerSegelClub, einem der traditionsbewussten Clubs am See mit wirklich altem Bootsbestand. Hier sind lange und schmale, auch gaffelgetakelte Schiffe zu finden. Man ist nur wenige Meter von der Stadt entfernt, abends in der Fußgängerzone pulsiert es, den Espresso trinkend mit Blick auf den See fühlt man sich schon fast wie in Italien. Bis an den Lago Maggiore sind es keine 300 km.

Das war die Reise um den See. Die Ausführungen haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ihr werdet in jedem Hafen jemanden finden, der Euch einen Tipp für den nächsten Tag gibt. Entscheidet einfach anhand der Windrichtung, wo es als nächstes hingeht.

Der See ist übersichtlich und von den Entfernungen her so dimensioniert, dass ihr kreuz und quer unterwegs sein könnt. Die Reise muss oder soll nicht stur dem Ufer entlang gehen. Bei guter Sicht habt ihr immer alle Ufer im Blick, mit den Seezeichen rund um den See könnt ihr Euch gut orientieren. Seekarten und Hafenhandbuch Leg an (ISBN 978-3-927936-71-3) solltet ihr dabei haben.

Noch ein Tipp: Alle Häfen, die auch von der Weißen Flotte mit benutzt werden, dürfen nur unter Motor angelaufen werden, da hat der ein oder andere schon heftige Bußgelder bezahlt.

Organisatorisches

Ihr braucht für den Bodensee ein Bodenseeschifferpatent (!) oder ein Urlaubspatent für vier Wochen, beides beim Schifffahrtsamt Bodenseekreis in Friedrichshafen erhältlich. Man kann dies alles schon vorher von zu Hause aus organisieren, Kopie eures Segelscheines und Ausweiskopie reichen. Ihr legt den Startzeitpunkt der Reise vorher fest, ab da habt ihr vier Wochen Zeit. Das Ganze geht über die www.bodenseekreis.de und dann auf das Schifffahrtsamt. Hier seht ihr auch, welche Patente umschreibungsfähig sind.

In Sachen Bootsabnahme wird es leider etwas komplizierter. Euer Folke muss vorgeführt werden, Terminvereinbarung kann bzw. soll vorher erfolgen, damit an eurem ersten Urlaubstag diese Abnahme erfolgen kann. Der Ingenieur kommt dann in den Starthafen. Falls euer Folke bereits eine ADAC oder Internationale Nummer führt kann diese mit genutzt werden; andernfalls bekommt ihr bereits vorher eine Registriernummer zugeteilt und könnt diese schon zuhause am Rumpf anbringen. Die Kosten der Abnahme liegen bei etwa 90,-€ und die Zulassung gilt dann für drei Jahre. Der Motor muss entweder ein Elektroantrieb sein oder ein Viertakter nach Baujahr 2003 mit CE–Konformitätserklärung. (Muss bei der Abnahme vorliegen!). Ihr könnt einen solchen auch irgendwo ausleihen, die Motornummer wird in die Papiere eingetragen. Für einen Zweitakter gibt es am Bodensee keine Zulassung! Bei Fragen hilft Frau Bucher zur direkten Abklärung: 07541 / 204 5352.

Wer einen Kocher an Bord hat, benötigt einen Feuerlöscher mit 2 Kilogramm!

Wie erwähnt gibt es günstig gelegene Orte zum Start der Bootsreise. Am Überlinger See kommt Sipplingen in Frage, am Untersee könnte dies Radolfzell sein, am Obersee könnte Kressbronn mit seinem Hafen Ultramarin in Frage kommen. Alle drei Orte haben die Möglichkeit des Einwässerns mit Maststellmöglichkeit, aber auch ausreichend Fläche zum Abstellen von Hänger und Auto. Kressbronn ist gut über die Autobahn zu erreichen. Quer durch Deutschland auf der A7, in Memmingen auf die A96 Richtung Lindau, dann noch wenige Kilometer auf der Bundesstraße bis direkt ans Wasser. Radolfzell oder Sipplingen sind eher über Stuttgart auf der A81 anzufahren.

Noch eine Anmerkung: Wer innerhalb des Urlaubstrip an einer Folkeregatta mitsegeln will, für den gibt es den Zeller Folkebootpokal am 17. und 18. August in Radolfzell. Zu Pfingsten gibt es über das lange Wochenende die schon legendäre  Sternfahrt, die Boote aus allen Richtungen treffen sich zu einem gemeinsamen Nachmittag und Abend, bevor es am Sonntag dann gemeinsam zum nächsten Zielhafen geht. Im Juli findet an einem Wochenende noch ein sogenannter Wochenendtreff in Arbon statt. Termin aktuell noch nicht bestätigt, aber wer in dieser Zeit da ist und sich meldet, wird hierzu natürlich Details erfahren.

Wir helfen gerne bei der Organisation oder Fragen zu so einem Trip. Meldet Euch einfach, der Rest ergibt sich. Ihr müsst nur wollen!!

Oliver Lenz,  F–GER 464 Akaravana

Telefon 07542 / 53276, Mail: olenz.tt@web.de