Nach der Regatta ist vor der Regatta…

… der Oberseepokal am 9. und 10. September 2017 bei den Kressbronner Seglern.
Eine Woche nach der IDM in Lindau stand mit dem Oberseepokal bei den Kressbronner Seglern für die Flotte Bodensee schon die nächste Regatta in der Agenda.
Irgendwie schienen bei unseren Seglern die Kräfte aber etwas verbraucht – gemeldet hatten nur neun Boote, gekommen waren sogar nur acht – und da zählen Jörg und Biggi Meier mit der GER 1086 „Blue Pearl“ schon dazu: sie ließen ihre Urlaubswoche im Anschluss an die Meisterschaft mit der Teilnahme in Kressbronn zu Ende gehen und wir waren hocherfreut, sie als unsere Gäste zu haben.
Auch wenn man Verletzungen – die besten Genesungswünsche an dieser Stelle an Matthias „Capt‘n Hook“ Beck! – voll in Anschlag bringt: Leute, da geht noch was!

Die Kressbronner Segler machen ihren Job wirklich gut!

Als ich am Freitagabend nach einer etwas hektischen Woche zügig in Richtung Baggerloch ablegen wollte, blockierte die Anlasserschnur. Gut – von den drei Windstärken des Tages war noch ein bisschen was übrig, ich beschloss erstmal, die Segel aufzuziehen. Doch schon nach weniger als einem Fünftel der Strecke holte mich dann die Abendflaute ein. Ich begann, Hochrechnungen anzustellen. Wenn es so bleibt, wie lange brauche ich dann? Was muss passieren, damit ich es noch bis Mitternacht schaffe? Ich beschloss, in Kressbronn anzurufen, um die Lage zu besprechen – Alternativen waren Umkehren oder per Schlepp holen lassen. Nach einem kurzen Gespräch war klar: Umkehren kam nicht in Frage, ein Schlaucher machte sich auf den Weg, mich abzuholen. Ich beschloss, die Wartezeit zu nutzen, um meinen Helfern so weit wie möglich entgegen zu kommen. Am Ende, da es schon dunkel war und weil es bei meiner Positionsbestimmung das eine oder andere Mißverständnis gegeben hatte, war ich schon auf Höhe Immenstaad, bis wir uns per Lichtblinkzeichen gefunden hatten. Insgesamt war die Schleppmannschaft drei Stunden unterwegs für ihren Einsatz – an dieser Stelle nochmal herzlichen Dank!

Am nächsten Morgen dann bei der Steuermannsbesprechung der nächste Aha-Effekt: Wettfahrtleiter Jürgen Graf hatte zahlreiche Tonnen und Hilfsboote aufgeboten, um für die drei startenden Klassen ein ,inner loop‘- und ,outer loop‘-Bahnschema aufbauen zu können, damit die Startgruppe „Sportboote“ auf den Outer Loop gehen konnte, während die Shark und Folkeboote als zweite und dritte Startgruppe innen auf die Bahn gingen. In einem Revier, in dem der See gut über 150 Meter tief ist, ein richtig ambitioniertes Unterfangen. Obwohl alles zügig und dem Bahnschema gemäß lag, konnte zunächst nur eine Wettfahrt bei mittleren Winden aus Südost gefahren werden. Dann drehte es über Süd bis auf Südwest durch und da das Abendessen aus organisatorischen Gründen pünktlich um sieben „angeschossen“ werden musste, entschied sich die Wettfahrtleitung, als es gegen halb sechs noch immer keine stabile Kursachse gab, für AP über A.

Am Sonntag war das erste Ankündigungssignal für 9.30 Uhr angekündigt, denn morgens sollte der Wind laut Vorhersage am stärksten sein. So war es dann auch. Es war eine spannende Wettfahrt, denn obwohl die Kursachse stabil war, drehte der Wind immer wieder und wer gewinnen wollte, musste die beste Kombination aus Windfeldern und Ziehern erwischen. Waren am Samstag noch Alex Denn und Eberhard Thurn mit der „Freja“ GER 631 die schnellsten, griffen am Sonntag Jörg und Biggi Meier auf dem letzten Downwind beherzt über die Innenseite noch einmal an – und wurden belohnt. Ein denkbar knappes Finish. Eine dritte Wettfahrt hätte die Sache eindeutig gemacht. Doch die nächsten Startversuche mussten erstmal verschoben werden, weil der Wind innerhalb des Countdowns unter die 4-Knoten-Marke fiel. Nach einiger Zeit konnte es dann noch einmal losgehen, gegen ein recht wirksames Gewell und abflauenden Wind. Das in Kombination mit Drehern und Löchern war schon eine rechte Herausforderung – und Jörg und Biggi lagen deutlich vorn, als es dann an der ersten Luvtonne so richtig anstrengend wurde, weil man nun gegen die Welle kaum noch durchkam. Konsequent schoss die Wettfahrtleitung ab.

Sieger wurden damit Jörg und Biggi, GER 1086, gefolgt von Alex und Eberhard, GER 631 und Elly und Hale mit der „Nuith“ GER 635.

Nächstes Jahr machen wir wieder mal eine Rangliste draus, Leute! Kressbronn ist eine Reise wert!

Text: Erika Beyerle, GER 220
Foto: Isolde Miller, GER 998

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